Archiv für den Monat: Oktober 2013

Daten im Sonnenstudio abgeben – Brauche ich jetzt Fake Accouts für das reale Leben?

Ich glaub mein Schwein preift. Da wollte ich doch neulich meinen geschundenen Blockwart Körper auf den Assi Toaster verfrachten, und dann so was…

… Sonntag, grau und ein bisschen regnerisch. Genau der richtige Tag um im Sunpoint Sonnenstudio innerhalb von 12 Minuten ein bisschen war für die die Gesichtsfarbe und das Wohlbefinden zu tun. Also nix wie rein in das Sonnenstudio meines Vertrauens, auf dem Rückweg muss ich an die Brezen denken….

Bei der freundlichen Bräunungsexpertin (die sofort als solche zu erkennen war) habe ich meine 12 Minuten auf so nem mittelstarken Ding bestellt. Die Nummer 12 ist gerade frei, da kann ich rein – wunderbar.

Vorher bräuchte Sie nur noch kurz meine Personalien und eine Hauttypberatung würde Sie mir gerne noch anbieten. Nein, vielen Dank. Hauttypberatung brauche ich heute nicht. Ok – kein Problem, das Gerät erkennt den Hauttyp sowieso. Sie vermerkt nur kurz das ich keine Hauttypberatung wünsche.

Und während ich mich schon in einer wunderbar gebräunten, hautkrebsfreien Zukunft wähnte bestand die junge Dame weiterhin auf meine Personalien (und meiner Unterschrift für die Ablehnung der Beratung). Auch meine noch freundliche aber ablehnende Antwort lies sie nicht gelten. Sie wollte unbedingt meine Daten in ihren Sonnenstudio Computer eingeben.

Auf die Frage ob ich beim nächsten Supermarkt Einkauf dann vielleicht auch meine persönlichen Daten abgeben sollte hatte sie leider keine Antwort. Aber was sie hatte war ein eigentlich ganz lieb gemeinter Vorschlag: “Sie können sich ja einen Namen ausdenken den Sie hier angeben. Sie müssen ihn sich nur gut merken, weil sie den Namen jedes Mal wieder brauchen wenn Sie sich bei uns sonnen wollen” – Nein Danke!

Warum falsche Daten angeben? Ich will doch nur ins Sonnenstudio

Falsche Namen, Tarnidentitäten – brauche ich auch eine Legende? Eine Blutprobe wäre vielleicht auch nicht schlecht. Verdammt, ich hab noch nicht mal gefrühstückt und da wird mir beim Blut abnehmen sicher schlecht. Noch ein kleines bisschen blasser, aber gut geschützten Daten verlasse ich frustriert das Sonnenstudio….

Brauche ich jetzt wirklich Fake Accounts für mein reales Leben? Und wie lange dauert es noch bis der Lactose Berater im Supermarkt meinen Allergie Pass sehen will? Ganz zu schweigen von meiner Tabakhändlerin. Warum wurde ich von ihr eigentlich noch nie über die Gefahren des Rauchens aufgeklärt?

Aber aufregen kann man sich ja schnell. Da schau ich doch mal nach ob da was dran ist. Wo? Als erstes natürlich auf der Homepage von Sunpoint. Mal sehen ob man da etwas finden kann….

Und auf Anhieb gibt es auch von der Sonnenstudio Kette auch gleich eine Erklärung für die Daten Sammelwut. Auf eine geänderte Gesetzeslage beruft man sich dort. Und auf die EU-Norm EN 60335-2-27 (http://ec.europa.eu/enterprise/policies/european-standards/harmonised-standards/low-voltage/#Note%203) Leider konnte ich keine Version der Norm finden die derzeit noch in Kraft ist. Ich bin allerdings auch kein EU-Normexperte. Für sachdienliche Hinweise bin ich natürlich dankbar.

Weiterhin ist noch von einer neuen UV-Schutzverordnung die Rede. Und tatsächlich – Treffer. Da gibt es tatsächlich etwas. Die so genannte Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung (UV-Schutz-Verordnung – UVSV) – vom 20.07.2011 (http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/uvsv/gesamt.pdf).

Na das nenne ich mal kreativ. Wenn da mal nicht die Marketing Sau durch´s Sonnenstudio getrieben wird. In der UV-Schutzverordnung §3 und §4 Absatz (der laut §11(2) zum 01. November 2012 in Kraft getreten ist) steht folgendes:

Wer ein UV-Bestrahlungsgerät betreibt, hat sicherzustellen, dass

  • 3. das Fachpersonal anbietet, eine auf die Person abgestimmte Hauttypbestimmung nach Anlage 1vorzunehmen,
  • 4. das Fachpersonal anbietet, einen auf die Person abgestimmten Dosierungsplan nach Anlage 5 zu erstellen

Und das hat die Leitung der Sonnenstudio Kette offenbar zum Anlass genommen von jedem der sich paar Minuten auf Münzmallorca gönnen möchte die persönlichen Daten aufzunehmen, zu verarbeiten und – höchstwahrscheinlich – auch auszuwerten. Einen anderen Absatz den man evtl. so entsprechend auslegen könnte habe ich leider nicht gefunden. Aber auch hier bin ich natürlich für Ergänzungen dankbar.

Sollte ich mich doch noch jemals entschließen ins Sunpoint Sonnenstudio zu gehen und mit Fake Daten einen Bräunungs-Account zu eröffnen, dann sollte ich mir vielleicht die 18 Seiten der UV-Schutzverordnung (UVSV) mal ausdrucken und schauen ob die ganzen Schilder und Aufkleber die ebenfalls in dem Sonnenstudio Gesetz aufgeführt sind ebenso 100 %ig erfüllt sind.

Vielleicht schreibe ich auch noch ein paar andere Sonnenstudios an und frage nach wie die das dort so handhaben. Vielleicht hast Du ja auch schon Erfahrungen mit Sonnenstudio Daten Kraken gemacht? Jeder Kommentar ist willkommen – so lange er nicht gegen die Hausordnung verstößt.

Jetzt muss ich erst mal ein paar Glühbirnen wechseln und Schilder aufstellen, ich hab ja schließlich nicht den ganzen Tag Zeit.
Herzlichst
Der Blockwart